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Restkostenabsicherung für Beamtenkinder (Dienstherr Nordrhein-Westfalen)

Die Problemstellung

Das Problem schien erst einmal sehr harmlos zu sein. Denn in dem U-Heft des Neugeborenen wurde in der U2, welche drei bis spätestens zehn Tage nach der Geburt stattfindet, eine Vierfingerfurche vermerkt. Jedoch kann dieses harmlose Problem bei der Versicherung zur Ablehnung führen.

Was ist eine Vierfingerfurche?

Die Vierfingerfurche ist eine Beugefurche in der Handfläche, die ohne Unterbrechung einmal quer über die Innenseite der Hand verläuft. Sie ist so lang wie die vier Finger vom Zeigefinger bis zum kleinen Finger. Einerseits kann das ein Indiz für eine genetische Veränderung, wie zum Beispiel der Trisomie 21, sein. Andererseits kann die Furche aber auch bei gesunden Babys auftreten und in dem Fall gar keine Bedeutung haben.

Die Ausgangslage und was wir geprüft haben

Die Ausgangslage war, dass der Vater des Kindes als Beamter in Nordrhein-Westfalen tätig ist und selbst eine Restkostenabsicherung bei der Signal Iduna hat.

Was ist eine Restkostenabsicherung überhaupt?

Die Restkostenversicherung ist eine private Zusatzversicherung. Diese deckt einen Teil der Kosten für die medizinische Behandlung Eures Kindes ab, die nicht durch die Rückerstattung abgedeckt sind.

Solch eine Zusatzversicherung kann von den Begünstigten, wie z.B. Berufssoldaten, Richtern oder Beamten, abgeschlossen werden. Aus diesem Grund wird der Satz für diese Versicherung oft auch als Hilfekostensatz oder Hilfszulagensatz bezeichnet. Diese Versicherung übernimmt für den Versicherten und seine mitversicherten Familienmitglieder einen Teil der Kosten für medizinisch notwendige Leistungen, die nicht durch die Rückerstattung abgedeckt sind. Dies liegt daran, dass je nach Bundesland nur die Kosten bis zu 80% oder 70% für die Ehepartner durch die Rückerstattung abgedeckt sind.

Mit einer Restkostenversicherung kann beispielsweise sichergestellt werden, dass man keine Eigenbeteiligung leisten muss, sondern die Zusatzversicherung die volle medizinisch notwendige Behandlung erstattet. Je nach Tarif kann die Restkostenversicherung ambulante und klinische Behandlung oder Zahnbehandlung abdecken.

Die Mutter ist in der gesetzlichen Krankenversicherung. Das erste Kind des Ehepaares wurde bereits über uns bei der Barmenia versichert. Damit waren die Eltern so zufrieden, dass sie auch das zweite Kind bei uns versichern wollten.

Alle U-Untersuchungen des zweiten Babys (U1 + U2) wurden ohne große Auffälligkeiten durchgeführt. Lediglich bei der U2 wurde eben vermerkt, dass das Kind mit einer Vierfingerfurche zur Welt kam. Aus diesem Grund hat die Barmenia eine anonyme Risikovoranfrage mit dem U-Heft veranlasst.

Was ist eine Risikovoranfrage?

Durch eine anonyme Risikovoranfrage kann man die Chancen auf eine Versicherung checken, ohne dabei das Risiko einzugehen, einen negativen Eintrag in der HIS-Wagnisdatei zu bekommen. In einer anonymen Risikovoranfrage tauschen Versicherungen Informationen über ihre Bestandskunden aus – anonym natürlich, wie der Name schon sagt.

Die Rückmeldung der Barmenia im Rahmen der anonymen Risikovoranfrage war folgendermaßen: Sofern die Vierfingerfurche kein krankhafter/pathologischer Bund ist, kann eine Versicherung ohne Erschwernis erfolgen. Aus diesem Grund wurde die Familie gebeten, zu bestätigen, dass die Vierfingerfurche keinen krankhaften Befund darstellt.

Unsere erste Tarifauswahl

Währenddessen habe ich der Familie einen Vergleich zusammengestellt. Da der Vater des Babys bei der Signal Iduna versichert ist, habe ich den Komfort (kleiner Tarif der Signal Iduna) und den Exklusiv, welcher auf den Komfort aufbaut, in in den Vergleich gepackt. Der Komfort ist ein Primärarzttarif mit Arzneimittel der Generika-Klausel. Generika sind sogenannte Nachahmerprodukte, die von Unternehmen nach Ablauf des Patentschutzes nachproduziert werden und unter einem anderen Namen verkauft werden dürfen. Dieser kleine Signal Iduna Tarif wird getoppt von seinem großen Bruder, dem Exklusivtarif. Hier hat man freie Arztwahl und im ambulanten sowie im stationären Bereich Top-Leistungen. In diesem Fall war es natürlich super, dass der Papa bei der Signal Iduna versichert ist, denn dann kann auch das Baby gleich dort aufgenommen werden. Ansonsten versichert die Signal Iduna Kinder erst ab dem vierten Lebensjahr. Ein weiterer Top-Tarif ist der von der Barmenia. Die Barmenia ist unser Top-Versicherer für Beamte, weil die auch im Kurbereich Top-Leistungen mit abbildet und dabei einen super Versicherungsschutz bietet. Die ARAG hat auch einen attraktiven Tarif, denn im ambulanten, Zahn- und stationären Bereich leistet diese über der Gebührenordnung und ist daher super gut für Kinder geeignet. Die HanseMerkur hat einen soliden Versicherungsschutz, allerdings auch ein paar Begrenzungen.

Signal IdunaSignal IdunaBarmeniaARAGHanseMerkur
TarifExklusivKomfortVB220U211A20
Monatsbeitrag40,13 €30,25€40,83 €38,66 €33,95 €
Jährlicher Selbstbehalt0 €
0 €
0 €0 €0 €

Am Ende wurde es – wie beim ersten Kind auch schon – die Barmenia. Im obigen Vergleich ist noch kein Krankenhaustagegeld in Höhe von 25 Euro mit drin, das haben wir in Nachhinein zusätzlich mit hinein gepackt. Dadurch erhöhte sich der Monatsbeitrag von 40,83 Euro auf 42,08 Euro.

Ende gut – Alles gut.

Das Baby wurde am 12.09.2020 geboren und innerhalb von zwei Monaten nach der Geburt ist die Restkostenabsicherung abzuschließen. 

Die Eltern haben bestätigt, dass die Vierfingerfurche keinen behandlungsbedürftigen Befund darstellt. Dies wurde auf den Antragsunterlagen auch extra unter den Gesundheitsfragen vermerkt. Deshalb konnte das Baby problemlos über uns bei der Barmenia versichert werden.

Der zeitliche Ablauf

Freitag,  25. September 2020:

  • Erhalt des U-Hefts der Familie mit den Ergebnissen der U1 + U2-Untersuchung
  • Aussendung der Vergleiche
  •  Anonyme Risikovoranfrage bei der Barmenia über die Verticus

Mittwoch, 30. Juni 2020:

  • Rückmeldung der Verticus mit dem Votum der Barmenia (Bestätigung, dass Erkrankung kein krankhafter Befund benötigt)
  • Information von der Mutter über RVA-Ergebnis: Sie teilte gleich am 30.09.2020 mit, dass Sie bestätigen kann, dass Vier-Finger-Furche kein krankhafter Befund ist.
  • Antragsunterlagen wurden an die Familie raus gesendet.

Donnerstag, 01. Oktober 2020:

  • Antragsunterlagen kamen von der Familie ausgefüllt und unterschrieben zurück.
  • Antragsunterlagen wurden an Verticus weitergeleitet.

Mittwoch, 07. Oktober 2020:

  • Anforderung eines Pflegeversicherungsnachweis eines Elternteils von der Barmenia
  • Der PV-Nachweis wurde von Mutter am 07.10.2020 per E-Mail zurück geschickt. 

Donnerstag, 08. Oktober 2020:

  • Weiterleitung des PV-Nachweises an die Barmenia
  • Rückmeldung der Barmenia am 08.10.2020, dass der Antrag angenommen wurde

Resümee

Die Vierfingerfurche hat also nicht zur Ablehnung geführt, auch wenn es zwischendurch nicht mehr ganz sicher war, hat die Versicherungsgesellschaft das Kind ohne weitere Probleme angenommen. Von der Mutter konnte versichert werden, dass durch die Furche keine weiteren gesundheitlichen Beschwerden auftreten werden. Wenn Euer Kind also eine Vierfingerfurche ohne weitere Auffälligkeiten hat, ist das keine „Finger“bruch.

Kompletter Antrag innerhalb von 2 Tagen eingereicht

Was war die Ausgangslage?

Meine Kundin hat am 10. Juni das erste Mal mit uns Kontakt aufgenommen. Wir hatten gerade unseren wöchentlichen Jour Fixe, aber als die Anrufnotiz auf dem Bildschirm aufploppte und ich das Geburtsdatum des Kindes sah, unterbrach ich das Meeting, rief die Kundin umgehend an und erklärte ihr gleich unser Eltern-Cashback-System, denn wir waren in Eile.

Wir hatten den 10. Juni und das Kind war am 14. April geboren worden. Wir hatten also noch zwei Tage bis zum Fristende der Kindernachversicherung, um einen Versicherungsantrag einzureichen. Wenn alles glatt gehen sollte, musste der Antrag spätestens am Freitag Abend bei der Versicherungsgesellschaft sein, denn am Wochenende bearbeiten die Gesellschaften keine Anträge. Außerdem war der Donnerstag ein Feiertag. Es blieb also wirklich nur der Freitag übrig. Der Vater des Kindes ist bei der Signal Iduna privat versichert, verdiente aber unter der JAEG (=Jahresentgeltgrenze). Die Mutter ist in der gesetzlichen Krankenversicherung, in die sie auch das Kind mitversichern hätte können. Die Eltern entschieden sich jedoch, das Baby privat zu versichern, um als Privatpatient zum Arzt gehen zu können.

Das alles wäre natürlich unproblematischer gewesen, wenn es sich hierbei um eine einfache Kindernachversicherung beim Elternversicherer (mit Kurzformular) gehandelt hätte. Aber so einfach war es natürlich nicht.

Unsere erste Tarifauswahl

Als Erstes habe ich Frau Heinrich (Name geändert) einen Vergleich der drei kleinsten Signal-Tarife zukommen lassen, weil der Vater in einem Esprit-Tarif des Deutschen Rings versichert ist. Diese Mail ging sofort im Anschluss an das Telefonat zur Kundin. 30 Minuten später habe ich ihr zusätzlich noch einen Vergleich mit allen anderen Esprit-Tarifen vom Deutschen Ring zukommen lassen, welcher auch zur Signal Iduna gehört. 

Signal IdunaSignal IdunaSignal Iduna HanseMerkurHanseMerkur
TarifKomfort 1Komfort Plus 1ExklusivKVT500KVS1
Monatsbeitrag104,83 €
138,64 €
151,46 €
154,30 €136,41 €
Jährlicher Selbstbehalt240 €
240 €
0 €0 €0 €

Danach habe ich Frau Heinrich zusätzlich die Tarife KVS (KidsFit) und KVT (StartFit) der HanseMerkur vorgestellt und sie im gleichen Zug darum gebeten, mir das U-Heft des Babys zukommen zu lassen. Das U-Heft ist immer dringend notwendig, wenn das Kind in einem anderen Tarif als dem Elterntarif versichert werden soll. Denn in diesen Fällen ist eine Gesundheitsprüfung erforderlich. Hätten sich die Eltern für den Tarif des Vaters auch für ihr Kind entschieden, dann hätte der Elternversicherer das Kind aufgrund des Kontrahierungszwangs aufnehmen müssen. Dies stand jedoch nicht zur Debatte, da der Esprit MX kein guter Kindertarif für Babys ist. Denn er hat einen für Kinder recht hohen Selbstbehalt von 450 Euro. Warum das nicht sehr sinnvoll für Neugeborene ist, könnt Ihr hier nachlesen. Der Selbstbehalt gilt zwar nur für den ambulant Bereich. Der ist jedoch für Babys am wichtigsten. Zudem liegt der Monatsbeitrag bei ca. 128 Euro (und darin ist nur die Regelleistung und das Mehrbettzimmer im Krankenhaus abgedeckt).

Schaffen wir es bis zur Frist?

Es blieb spannend. Die Zeit rannte und natürlich war es enorm wichtig, dass das U-Heft ohne Bemerkungen oder Befunde war. Ansonsten würde das Baby nicht durch die Gesundheitsprüfung kommen und es würde keine andere Möglichkeit bleiben, als das Kind rückwirkend im Vatertarif zu versichern bis vom Arzt eine Bestätigung eintrifft. Diese muss die Gesundung des im U-Heft aufgeführten Gesundheitszustands bestätigen. Denn sonst wäre die Frist nicht eingehalten worden. Dadurch hätte das Baby bestenfalls erst zum 01.07.2020 in den Zieltarif wechseln können.

Fehlende Seiten im U-Heft

Da ohnehin kaum Zeit blieb, entstand natürlich noch zusätzlicher Druck dadurch, dass Frau Heinrich die Seiten 9-11 des U-Heftes nicht mitschickte. Aber immerhin wussten wir mittlerweile, welcher Tarif es werden sollte: der Komfort 1 der Signal Iduna. Am Freitag um 12:00 Uhr mittags schwankte die Kundin dann doch noch einmal zwischen dem Komfort 1 und dem Komfort Plus 1, weil Ihr die Erstattung der Reiseschutzimpfungen in den beiden Tarifen nicht ganz klar war. Nachdem ich Frau Heinrich zu beiden Tarifen die Auszüge aus den Bedingungen geschickt hatte, wurde es letztendlich doch der Komfort 1. Denn die Reiseschutzimpfungen wurden in beiden Tarifen abgedeckt.

Kurz vor knapp

Am Freitag Nachmittag hatte ich dann alle Daten beisammen – außer die fehlenden, aber sehr wichtigen Seiten des U-Hefts. Ich hatte die Versicherungsnummer, um eine Maklervollmacht zu beantragen, die in diesem Fall notwendig war. Dadurch ging die Vollmacht vom alten Makler der Familie auf uns über und Leni, Leon und die Luchse ist somit als bestandsführender Vermittler beim Versicherer hinterlegt. Außerdem hatte ich die Angaben der Eltern. Jedoch fehlte die Hausnummer, wie nach der Einreichung des Vertrags um 15:35 Uhr schnell klar wurde. Es wurde knapper und knapper. Doch um kurz vor zu knapp hatte ich nun endlich alle Unterlagen, inkl. der richtigen Hausnummer, beisammen und konnte um 16:01 Uhr alle Unterlagen final einreichen. Um 16:06 Uhr wurde der Antrag bestätigt und an die Gesellschaft weitergeleitet.

Am 15.06. wurde die PKV policiert und am 30.06 kam die Police von der Signal.

Der zeitliche Ablauf

Dieser Abschnitt fällt in diesem Fall sehr kurz aus, denn der Ablauf spielte sich an genau drei Tagen ab und war damit für alle Beteiligten, auch die Kundin, ein wahres Spektakel.

Mittwoch, 10. Juni 2020:

  • Erste Kontaktaufnahme
  • Telefonat
  • Aussendung der Vergleiche
  • Einforderung des U-Heftes

Freitag, 12. Juni 2020:

  • Endgültige Wahl des Tarifs
  • Erhalt aller Unterlagen
  • Einreichung des Antrags bei der Gesellschaft auf den letzten Drücker

Resümee

Wie Ihr lesen könnt, ist am Ende glücklicherweise noch alles gut gegangen. Wir bitten Euch jedoch – aus Stressgründen Eurer- und unsererseits – Euch schon früher mit der Krankenversicherung für Euer Baby zu beschäftigen als kurz vor Fristablauf. Am allerbesten wäre circa vier Monate vor der Geburt, denn damit sind wir sowohl im Falle von gesundheitlichen Schwierigkeiten als auch im Hinblick auf die einzuhaltenden Fristen auf der sicheren Seite.