Fieberkrampf beim Kind: die 5 Regeln für den Notfall
Medizinisch geprüft von Dr. med. univ. Dominik Panosch · Stand: Juli 2026
Das Wichtigste in Kürze: Ein Fieberkrampf sieht dramatisch aus, ist aber in den allermeisten Fällen harmlos: Etwa 2–4 % aller Kinder zwischen 6 Monaten und 5 Jahren erleben einen. Im Anfall gilt: ruhig bleiben, Kind sicher und weich lagern, nichts in den Mund stecken, auf die Uhr schauen. Dauert der Krampf länger als 5 Minuten oder ist es der erste: Notruf 112. Jeder erste Fieberkrampf sollte ärztlich abgeklärt werden – ein erhöhtes Epilepsie-Risiko besteht bei einfachen Fieberkrämpfen kaum.
Was ist ein Fieberkrampf?
Ein Fieberkrampf ist ein Krampfanfall im Rahmen eines fieberhaften Infekts – ausgelöst nicht durch die Höhe des Fiebers, sondern oft durch den schnellen Temperaturanstieg. Das kindliche Gehirn ist in diesem Alter schlicht empfindlicher für Temperatursprünge. Typisch: Das Kind wird plötzlich steif, zuckt rhythmisch mit Armen und Beinen, ist nicht ansprechbar, vielleicht verdrehen sich die Augen. Die meisten Anfälle dauern unter 5 Minuten und hören von selbst auf; danach ist das Kind erschöpft und schläfrig.
Was tun im Anfall? Die 5 Regeln
- Ruhe bewahren und auf die Uhr schauen – die Dauer ist die wichtigste Information für den Arzt.
- Sicher lagern: auf den Boden oder ins Bett, weiche Unterlage, nichts Hartes in Reichweite, enge Kleidung am Hals öffnen.
- Nichts in den Mund stecken – keine Finger, keine Gegenstände, keine Medikamente, kein Getränk. Die Angst vor dem „Zungeverschlucken“ ist ein Mythos.
- Nicht festhalten – Zuckungen nicht unterdrücken wollen.
- Nach dem Anfall in die stabile Seitenlage, beim Kind bleiben, beruhigen.
Wann 112 rufen?
- Der Anfall dauert länger als 5 Minuten
- Es ist der erste Fieberkrampf deines Kindes
- Das Kind ist unter 6 Monate oder über 5 Jahre alt
- Nur eine Körperseite zuckt, oder das Kind erholt sich danach nicht zügig
- Mehrere Anfälle innerhalb von 24 Stunden
Auch nach einem kurzen, „typischen“ Anfall gilt: immer zeitnah kinderärztlich vorstellen – beim ersten Mal meist in der Klinik, um andere Ursachen (z. B. Hirnhautentzündung) auszuschließen.
Einfacher vs. komplizierter Fieberkrampf
| Einfacher Fieberkrampf (ca. 80–90 %) | Komplizierter Fieberkrampf | |
|---|---|---|
| Dauer | unter 15 Minuten | über 15 Minuten |
| Ablauf | beidseitige Zuckungen | einseitig/fokal |
| Häufigkeit | einmalig in 24 h | mehrfach in 24 h |
| Alter | 6 Monate – 5 Jahre | außerhalb dieses Fensters |
| Prognose | sehr gut, kaum erhöhtes Epilepsie-Risiko | weitere Abklärung (EEG etc.) nötig |
Häufige Fragen
Kann ich Fieberkrämpfen vorbeugen?
Leider kaum: Studien zeigen, dass auch konsequentes frühes Fiebersenken Fieberkrämpfe nicht sicher verhindert – der Krampf kommt oft schon im Fieberanstieg, bevor Eltern reagieren können. Fiebersenker gehören trotzdem zum guten Krankheits-Management. Kinder mit wiederholten Krämpfen bekommen ggf. ein Notfallmedikament (z. B. Diazepam rektal) für zu Hause verordnet.
Bedeutet ein Fieberkrampf Epilepsie?
Nein. Nach einem einfachen Fieberkrampf ist das Epilepsie-Risiko nur minimal höher als bei anderen Kindern (ca. 1–2 %). Etwa ein Drittel der Kinder bekommt allerdings bei späteren Infekten erneut einen Fieberkrampf – das ist kein Grund zur Panik, sondern zur Vorbereitung.
Schadet der Krampf dem Gehirn?
Einfache Fieberkrämpfe hinterlassen nach heutigem Wissen keine Schäden – Entwicklung und Intelligenz der Kinder sind unbeeinträchtigt.
Die 14 teuersten Fehler bei der Kinderkrankenversicherung
– und wie man sie vermeidet!
Lesedauer: 9 Minuten
Alle Zahlen auf dem Stand für 2026.
Fieberkrampf und die Krankenversicherung
Hier wird es versicherungstechnisch relevant: Ein dokumentierter Fieberkrampf – erst recht ein „komplizierter“ mit EEG-Abklärung – führt bei PKV-Anträgen regelmäßig zu Rückfragen, Wartefristen oder Zuschlägen, obwohl die Prognose exzellent ist. Viele Gesellschaften stellen Anträge bis einige Jahre nach dem letzten Ereignis zurück. Deshalb: Kindernachversicherung in den ersten zwei Monaten nutzen (keine Gesundheitsprüfung) oder bei bestehender Vorgeschichte eine anonyme Risikovoranfrage über uns als unabhängige Makler stellen – die Bewertungen unterscheiden sich stark.
Quellen
- AWMF-S1-Leitlinie „Fieberkrämpfe im Kindesalter“ (022-005, aktuelle Fassung)
- Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte: kinderaerzte-im-netz.de – Fieberkrampf (abgerufen Juli 2026)





Hinterlasse einen Kommentar
An der Diskussion beteiligen?Hinterlasse uns deinen Kommentar!