Windpocken bei Kindern: Symptome, Impfung & Kita-Regeln
Medizinisch geprüft von Dr. med. univ. Dominik Panosch · Stand: Juli 2026
Das Wichtigste in Kürze: Windpocken (Varizellen) sind extrem ansteckend: stark juckende Bläschen in Schüben („Sternenhimmel“), dazu oft Fieber. Seit 2004 empfiehlt die STIKO die Impfung für alle Kinder (2 Dosen, ab 11 Monaten) – seither sind schwere Verläufe selten geworden. Erkrankte Kinder dürfen erst nach Verkrusten aller Bläschen (meist ca. 1 Woche) zurück in die Kita (§ 34 IfSG). Vorsicht gilt für Schwangere ohne Immunschutz und Neugeborene.
Was sind Windpocken?
Windpocken werden durch das Varizella-Zoster-Virus verursacht – „wind“-pocken, weil die Viren schon über einige Meter durch die Luft übertragen werden. Nach 8–28 Tagen (meist ~2 Wochen) Inkubationszeit erscheinen die typischen Bläschen. Das Virus bleibt nach der Erkrankung lebenslang im Körper und kann sich Jahrzehnte später als Gürtelrose zurückmelden.
Woran erkenne ich Windpocken?
- Rote Flecken → Bläschen → Krusten, in mehreren Schüben – deshalb sieht man alle Stadien gleichzeitig („Sternenhimmel-Bild“)
- Starker Juckreiz – die Hauptbelastung für Kinder
- Auch behaarter Kopf und Schleimhäute (Mund, Genitalbereich) betroffen – ein gutes Unterscheidungsmerkmal zu anderen Ausschlägen
- Fieber meist mäßig, Allgemeinzustand oft erstaunlich gut
Die Windpocken-Impfung: Was empfiehlt die STIKO?
Die STIKO empfiehlt die Varizellen-Impfung für alle Kinder: 1. Dosis mit 11–14 Monaten, 2. Dosis mit 15–23 Monaten – meist kombiniert als MMRV-Impfung. Auch ungeimpfte ältere Kinder und Jugendliche ohne durchgemachte Windpocken sollten nachgeimpft werden. Die Impfung ist Kassenleistung und verhindert schwere Verläufe zuverlässig; geimpfte Kinder erkranken selten und dann deutlich milder. Nach Kontakt eines Ungeimpften kann eine Riegelungsimpfung innerhalb von 5 Tagen den Ausbruch oft noch verhindern – schnell kinderärztlich beraten lassen.
Wie werden Windpocken behandelt?
Bei sonst gesunden Kindern symptomatisch: juckreizstillende Lotionen (z. B. mit Polidocanol oder synthetischem Tannin), Fingernägel kurz schneiden, ggf. Baumwollhandschuhe nachts – Aufkratzen führt zu Narben und bakteriellen Superinfektionen. Fieber mit Paracetamol senken (kein ASS – Reye-Syndrom-Risiko; Ibuprofen bei Varizellen nur nach ärztlicher Rücksprache). Antivirale Medikamente sind Risikopatienten und schweren Verläufen vorbehalten.
Kita, Schule und Ansteckung: Was gilt rechtlich?
Windpocken fallen unter § 34 Infektionsschutzgesetz: keine Gemeinschaftseinrichtung während der Erkrankung, die Einrichtung muss informiert werden. Ansteckend ist ein Kind schon 1–2 Tage bevor der Ausschlag erscheint – bis alle Bläschen verkrustet sind (meist etwa eine Woche nach Beginn). Danach darf es ohne Attest zurück. Und: ungeimpfte Geschwister sind mit hoher Wahrscheinlichkeit die nächsten – Inkubationszeit ~2 Wochen einplanen.
Wann zum Arzt?
- Neugeborene und Säuglinge, Kinder mit Immunschwäche oder Neurodermitis: immer ärztlich begleiten lassen
- Bläschen entzünden sich eitrig, Haut wird großflächig rot und schmerzhaft
- Hohes Fieber, Benommenheit, Gangunsicherheit, starke Kopfschmerzen
- Schwangere ohne Windpocken-Immunität nach Kontakt: sofort Frauenärztin anrufen (Immunglobulin-Gabe möglich)
Häufige Fragen
Kann mein geimpftes Kind trotzdem Windpocken bekommen?
Selten ja („Durchbruchsvarizellen“) – dann aber fast immer mit wenigen Bläschen, wenig Fieber und kurzem Verlauf. Auch diese Kinder sind ansteckend und sollten zu Hause bleiben, bis alles verkrustet ist.
Sind „Windpocken-Partys“ eine Alternative zur Impfung?
Nein. Die natürliche Infektion kann schwer verlaufen (Hautinfektionen, Lungenentzündung, Kleinhirnentzündung) und legt den Grundstein für spätere Gürtelrose. Die Impfung erreicht den Schutz ohne diese Risiken – die Fachgesellschaften raten eindeutig von absichtlicher Ansteckung ab.
Bleiben Narben zurück?
Nur wenn aufgekratzte Bläschen sich entzünden. Konsequente Juckreizstillung und kurze Nägel sind die beste Narben-Prophylaxe.
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Windpocken und die Krankenversicherung
Normal ausgeheilte Windpocken sind für die PKV-Gesundheitsprüfung unproblematisch. Zwei Punkte sind trotzdem relevant: Der Impfstatus wird in manchen Antragsformularen abgefragt – ein vollständiger Impfpass macht die Aufnahme einfacher. Und bei Komplikationen (z. B. Krankenhausaufenthalt) zählt jede dokumentierte Diagnose. Der eleganteste Weg bleibt die Kindernachversicherung in den ersten zwei Monaten – ganz ohne Gesundheitsfragen. Wir prüfen kostenfrei, welcher Tarif zu eurer Familie passt.
Quellen
- Robert Koch-Institut: RKI-Ratgeber Windpocken/Gürtelrose; STIKO-Impfempfehlungen (abgerufen Juli 2026)
- Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte: kinderaerzte-im-netz.de – Windpocken (abgerufen Juli 2026)
- § 34 Infektionsschutzgesetz





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