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Krankenversicherung in Regenbogen-Familien

Ein aktueller Vorgang am Oberlandesgericht in Celle bringt Bewegung in ein Problem, das gleichgeschlechtliche Paare – vor allem gilt das für Frauen – bei der Krankenversicherung für Neugeborene betrifft: Während eine für gewöhnlich die leibliche Mutter ist, erlangt die andere erst mit Vollzug der Adoption den gleichen rechtlichen Status gegenüber dem Nachwuchs. Weil das aber in der Regel erheblich länger als zwei Monate dauert, kommt es immer wieder zu unnötigen Verzögerungen und bürokratischen Umwegen bei der Anmeldung der Babys zur Krankenversicherung. Konkret berührt das zwei Themenbereiche:

  1. Den Status im Bezug auf das Zugangsrecht zur Familienversicherung der GKV, also die Frage, ob das Kind privat oder gesetzlich versichert wird.
  2. Die Ausübung des Kontrahierungszwangs im Sinne des § 198 VVG, also die Kindernachversicherung beim elterlichen Versicherer ohne Gesundheitsprüfung, Leistungsausschlüsse und Risikozuschläge.
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Viele unverheiratete Paare überlegen zum Jahresende, auch aus steuerlichen Gründen zu heiraten. Wenn jedoch Kinder mit in die Ehe gebracht werden, kann die beitragsfreie Familienversicherung entfallen. Das führt zu hohen Kosten – und sorgt nicht selten für böse Überraschungen, wenn sich die gesetzliche Krankenversicherung erst nach über einem Jahr mit der Beitragsnachforderung meldet.

Das Problem:

Mit der Eheschließung endet in vielen Fällen automatisch die Beitragsfreiheit der Kinder in der gesetzlichen Krankenversicherung. Immer, wenn bei Verheirateten ein Elternteil nicht Mitglied der deutschen gesetzlichen Krankenkasse ist und mit dem höheren Einkommen von beiden über der Jahrsarbeitsentgeltgrenze liegt (im Jahr 2020: 62.550 Euro brutto), verlieren die Kinder das Zugangsrecht zur beitragsfreien Familienversicherung.

Die Bewertung:

Markus Herrmann, Experte für private Kinderkrankenversicherungen, rät dazu, im Vorfeld steuerliche Vorteile versus dem Entfallen der beitragsfreien Familienversicherung zu prüfen: „Pro Kind kommen beim Wegfall der Beitragsfreiheit rund 200 Euro im Monat zusammen. Häufig fordert die Krankenkasse bei mehreren Kindern so fünfstellige Beträge nach! Das frisst oft die steuerlichen Vorteile auf. Daher ist eine Hochzeit auf Empfehlung des Steuerberaters nicht immer die beste Wahl, denn viele Steuerberater beziehen die Krankenkasse nicht mit in die Betrachtung ein.“

Die Lösung:

Sollten sich die Partner trotzdem zur Heirat entschließen, ist die private Kinderkrankenversicherung eine Option. Diese kostet weniger und bietet bessere Leistungen als die freiwillige GKV für Kinder. Schon für 120 bis 160 Euro pro Monat gibt es sehr gute PKV-Kindertarife.

Diese und andere Tipps für Eltern finden Sie in dem Leitfaden „Die 14 teuersten Fehler bei der Kinderkrankenversicherung – und wie man sie vermeiden kann.“ (Download hier: https://www.kinder.versicherung/vollversicherung/leitfaden-die-teuersten-fehler-bei-der-kinderkrankenversicherung/)

Mutter im Gefängnis: Krankenversicherung für's Kind

Der häufigste Grund für das Ende der beitragsfreien Familienversicherung ist die Eheschließung der Eltern oder das erstmalige Überschreiten der Jahresarbeitsentgeltgrenze eines Elternteils. Aber es gibt auch ganz andere Fälle.

Wir machen seit vielen Jahren Kinderkrankenversicherungen und sonst nichts. Und irgendwann denkt man, dass man da jetzt alles gesehen hat. Doch im Mai hat eine ungewöhnliche Anfrage das ganze Team in Aufruhr versetzt: Eine junge Mutter mit einem Neugeborenen hat sich drei Tage vor ihrem planmäßigen Haftantritt bei uns gemeldet. Der Grund: Mit Haftantritt endet die Mitgliedschaft in der gesetzlichen Krankenversicherung. Entsprechend hat sie nun für das Kleinkind dringend nach einem Krankenversicherungsschutz gesucht.

Damit hatten wir uns zuvor noch nie befasst bzw. befassen müssen. Und tatsächlich ist das so: “Da der die Versicherungspflicht begründende Sachverhalt (z. B. sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis, Bezug von Arbeitslosengeld oder Arbeitslosengeld II) entfällt”, fallen gesetzlich Pflichtversicherte am Tag ihres Haftantrittes aus der Krankenkasse. Denn die ärztliche Versorgung wird entweder direkt in der JVA übernommen und falls das nicht möglich ist, dann die Kosten der Behandlung. Gefangene im Strafvollzug haben nach den §§ 1, 56 ff. StVollzG Anspruch auf Gesundheitsfürsorge.

Doch Angehörige, die zuvor in der beitragsfreien Familienversicherung mit versorgt waren, müssen nun ebenfalls anderweitig versorgt werden. Und weil eine “freiwillige” gesetzliche Versicherung für Kinder um die 180 Euro pro Monat kostet und Kindertarife der privaten Krankenversicherung schon erheblich günstiger zu kriegen sind, war das für die junge Mutter die naheliegendste Lösung.

Entsprechend haben wir hier geeignete Tarife und Versicherer recherchiert und ihr Vorschläge gemacht. Doch es hat sich schnell herausgestellt, dass sie eigentlich mittellos ist und auch sonst niemand mit ausreichender Bonität Versicherungsnehmer des Vertrages werden konnte. Die Zeit zum Haftantrittstermin war dann auch schon verstrichen und wir haben von ihr nicht wieder gehört. ‚
Wir gehen davon aus, dass sich hier eine Härtefalllösung gefunden oder eine Übernahme einer GKV-Mitgliedschaft durch das Sozialamt ergeben hat, weil die stillende Mutter ja gemeinsam mit ihrem Neugeborenen ins Gefängnis gegangen ist.

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