So pimpt man einen Bisextarif in einen leistungsstarken Tarif

Tarife, die bis zum 31.12.2008 in der PKV abgeschlossen wurden, gehören zur alten Tarifwelt. Diese Bisex-Tarife wurden geschlechtsspezifisch kalkuliert, d.h. Männer und Frauen zahlten für den gleichen Leistungsumfang einen unterschiedlich hohen Monatsbeitrag. Vor allem Frauen hatten hier das Nachsehen, da man grundsätzlich davon ausging, dass Frauen durch häufigere Arztbesuche, Vorsorgeuntersuchungen, Schwangerschaften, Geburten und eine deutlich höhere Lebenserwartung effektiv höhere Kosten verursachen würden als Männer. Im Zuge der Gesundheitsreform und durch neue EU-Richtlinien wurden im Dezember 2012 sogenannte Unisex-Tarife eingeführt, also Tarife, die geschlechtsunabhängig kalkuliert werden.

Uns erreichen viele Anfragen von Eltern, deren Verträge seit vielen Jahren in der PKV bestehen und somit zu der alten Tarifgeneration „Bisex“ gehören. Der Alttarif und der äquivalente Neutarif sollten grundsätzlich im ersten Schritt zunächst eingehend geprüft und Leistungen im Detail gegenübergestellt werden, denn nicht immer ist es zutreffend, dass der Neutarif gegenüber dem Alttarif punktet, nur weil neuere Behandlungsmethoden, wie z.B. Augen-OPs mit Lasikverfahren enthalten sind oder auch das sogenannte Rooming-In, also die Übernahme der Kosten einer Begleitperson im Krankenhaus. Einen Leistungsaspekt, den wir übrigens gerade für Neugeborene und jüngere Kinder für absolut erforderlich halten.

Auch im folgenden Fall erhielten wir eine Anfrage von einem frisch gebackenen Papa, der selbst noch in einem Bisex-Tarif versichert ist und Beratungsbedarf zur zukünftigen PKV seines Sohnes hatte.

Die Ausgangslage

Die Mutter unseres Babys ist in der GKV, der Vater beim Deutschen Ring (Signal Iduna) privat versichert und das Baby gerade zwei Tage alt, als wir den ersten Anruf unseres Kunden erhielten. Der kleine Junge ist das jüngste Kind von den insgesamt vier Geschwistern. Die Geschwister sind ebenfalls privat und bei der R+V Versicherung versichert.

Im Beratungsteam stehen uns drei verschiedene Programme für die Erstellung von detaillierten Vergleichsanalysen zur Verfügung. Alle diese Tools haben jeweils ihre Stärken und Schwächen, sie haben allerdings eines gemeinsam: sie ermöglichen uns unseren Kunden den entsprechenden Durchblick durch den Tarifdschungel zu verschaffen und erleichtern es Eltern den Tarif für ihren Nachwuchs zu finden, der ihren Erwartungen und Vorstellungen am besten entspricht. 

Auch bei dieser Anfrage zeichnete sich bereits bei der Kontaktaufnahme ab, dass es zu einer umfangreichen Vergleichsanalyse von Kindertarifen kommen wird, denn es sollten sowohl der Elterntarif (Alttarif Deutscher Ring), die äquivalenten Neutarife der Signal Iduna sowie der Kindertarif der Geschwister bei der R+V Versicherung in einem Vergleich berücksichtigt werden.

Unsere erste Tarifauswahl

  Elterntarif (Deutscher Ring) Signal Iduna
Tarif Esprit M Komfort 1
Annahme Ohne Gesundheitsprüfung
(wegen Kontrahierungszwang)
nur mit Gesundheitsprüfung
Monatsbeitrag 129,76 € 104,83 €
Jährlicher Selbstbehalt 225 €
(nur Amb. // Stat. und Zahn ohne SB)
240 €
(nur Amb. und Stat. // Zahn ohne SB)
Beginn Rückwirkend ab Geburt
gemäß § 198 VVG
Rückwirkend bis zur Geburt
  Signal Iduna R+V Versicherung
Tarif Komfort Plus 1 AGIL comfort MP1U
Annahme nur mit Gesundheitsprüfung nur mit Gesundheitsprüfung
Monatsbeitrag 138,64 € 122,51 €
Jährlicher
Selbstbehalt
240 €
(nur Amb. und Stat. // Zahn ohne SB)
240 €
(Amb., Stat., Zahn)
Beginn Rückwirkend bis zur Geburt Rückwirkend bis zur Geburt

Tatsächlich war aus unserer Sicht der elterliche Bisex-Tarif hier der recht klare Preis- und Leistungssieger. In allen drei Bereichen – ambulant, stationär und dental – erstattet er über der Gebührenordnung für Ärzte und zeigt damit Leistungsmerkmale, die in dieser geballten Form sonst nur sogenannte Hochleistungstarife erfüllen. 

Es handelt sich um einen Tarif mit freier Arztwahl und ohne Primärarztprinzip. Letzteres bedeutet, dass man immer zunächst seinen Haus- bzw. Kinderarzt aufsuchen muss, bevor man sich an einen Facharzt wenden kann. 

Vorsorgeuntersuchungen und Impfungen gemäß der ständigen Impfkommission liegen außerhalb des Selbstbehaltes

Ein weiterer für Kinder relevanter Leistungsschutz ist die Kieferorthopädie: Hier sollte der Erstattungssatz für Kinder bei mindestens 75 % liegen.

K.O.-Kriterium: Das Mehrbettzimmer

Auch wenn dieser Bisex-Tarif in vielerlei Hinsicht punkten konnte: das absolute No-Go Kriterium für die Eltern war die Bettenleistung im Krankenhaus.

Zwar bietet der Tarif auch eine Chefarztbehandlung, aber hier konnten wir die Eltern überzeugen, dass manchmal auch der Stations- oder Oberarzt die bessere Wahl sein könnte, da sich sich im Gegensatz zum Chefarzt erst noch profilieren müssen.

Die Idee

Denn auch wenn der Esprit Tarif M im stationären Bereich nur über ein Mehrbettzimmer verfügt, besteht hier die Möglichkeit über ein Krankenhaustagegeld Wahlleistungen, wie z.B. ein Zweibett- oder Einbettzimmer oder auch die Einschränkung beim Rooming-In abzufedern.

Die Familie stammt aus dem Großraum München. Im Klinikum in Schwabing kostet Sie ein Zweibett-Zimmer beispielsweise nur 60 Euro am Tag und die Kosten für eine minderjährige Begleitperson knapp 30 Euro pro Tag.

Ein Krankenhaustagegeld von 100 € pro Tag kostet im Kindertarif Esprit M beim Deutschen Ring 7,10 € im Monat.

Durch die Hinzunahme dieses Leistungsbausteines könnten alle Wunschkriterien der Eltern erfüllt werden.

Da die U1, das Neugeborenen- und Hörscreening sowie die U2 des Vorsorgeuntersuchungsheftes keinerlei Auffälligkeiten hatten, waren die Eltern in ihrer Entscheidung frei, sowohl bei der Auswahl des Tarifes als auch bei der Auswahl der Versicherungsgesellschaft.

Die Entscheidung

Am Ende war es bei der Entscheidungsfindung ein enges Rennen zwischen dem gepimpten Alttarif und dem Neutarif der Signal Iduna Komfort Plus 1

Die Eltern haben sich letztendlich für den Neutarif Komfort Plus 1 entschieden. Ausschlaggebend war der hohe Leistungsschutz im Kieferorthopädischen Bereich von mindestens 80 % und bei erfolgreicher Behandlung von 100% Kostendeckung.

Der zeitliche Ablauf

Die Beratung und die Entscheidungsfindung liefen in zeitlicher Reihenfolge in etwa so ab:

Dienstag, 22. Oktober 2019

Erstes telefonisches Beratungsgespräch mit dem Vater. Das Baby ist an diesem Tag 48 Stunden alt.
Versand der ersten Vergleichsanalyse erfolgt am gleichen Tag.

Mittwoch, 20. November 2019

Nächstes telefonisches Beratungsgespräch über die Vergleichsanalyse und die vorgestellten Kindertarife. Abwägung der Vor- und Nachteile des Elterntarifes sowie aufzeigen von Möglichkeiten den Alttarif mit einem Krankenhaustagegeld zu pimpen. Der Kunde erhält noch einmal einen detaillierten Vergleich mit dem Alttarif und dem zusätzlichem Krankenhaustagegeld sowie den beiden Neutarifen der Signal Iduna.

Sonntag, 24. November 2019   

Der Kunde übermittelt via Datenlink seine erforderlichen Daten für die Antragsgenerierung.

Montag, 25. November 2019

Antragsunterlagen per E-Mail an den Vater versandt (das Antragsformular und alle vorvertraglichen Pflichtinformationen wie die Verbraucherinformationen, das Produktinformationsblatt oder die allgemeinen Versicherungsbedingungen).

Samstag, 30. November 2019

Antrag und U-Heft vom Kunden zurück – per E-Mail, als Scann. Papier versuchen wir seit Jahren zu vermeiden und zum Glück brauchen wir die Unterlagen auch nicht mehr im Original. Entsprechend reicht uns ein gut lesbares PDF für den weiteren Prozess.
Fehlende Angaben werden vom Kunden per E-Mail angefragt.

Montag, 02.Dezember 2019

Letzte fehlende Angaben des Kunden liegen nun vor und kleine „Schönheitsfehler“ werden von mir im Antrag ergänzt und korrigiert.
Der Antrag wird am selben Tag bei der Signal Iduna eingereicht.

Mittwoch, 04.Dezember 2019

Um 17:00 Uhr erhielten wir die Annahmeerklärung der Signal Iduna.

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